Kommunikation, die verbindet – Schlüssel zu einer erfüllten Partnerschaft

Melanie Mantel
11 JAN 2025
5 Minuten Lesezeit
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Kommunikation, die verbindet – Schlüssel zu einer erfüllten Partnerschaft

Stellen Sie sich vor: Anna und Ben sitzen abends auf dem Sofa. Anna seufzt und sagt: „Ich habe das Gefühl, dass ich immer alles alleine machen muss.“ Ben verdreht die Augen und antwortet: „Du übertreibst mal wieder. Ich helfe doch, wann immer ich kann.“ Anna wird lauter: „Immer? Wirklich? Letzte Woche habe ich den Einkauf, die Wäsche und den Elternabend alleine geregelt!“ Ben schüttelt den Kopf: „Du machst aus jeder Kleinigkeit ein Drama.“

Was bleibt ist Frust auf beiden Seiten. Anna fühlt sich nicht gehört, Ben fühlt sich angegriffen – und der eigentliche Punkt bleibt auf der Strecke.

Warum dieses Gespräch scheitert?

Dieses Beispiel zeigt, wie leicht Missverständnisse in der Kommunikation entstehen. Beide Partner sind in ihrem Anliegen gefangen: Anna möchte ihre Überforderung ausdrücken, während Ben sich verteidigt und das Gefühl hat, dass seine Bemühungen abgewertet werden. Statt sich gegenseitig zuzuhören rutschen sie in Vorwürfe und Rechtfertigungen ab.

Drei typische Kommunikationsfallen:

Generalisierungen: Worte wie „immer“ und „nichts“ verstärken das Gefühl, dass der andere Partner pauschal kritisiert wird.

Gefühle übergehen: Bens Reaktion zeigt, dass Annas Gefühl von Überforderung nicht anerkannt wird, was die emotionale Distanz verstärkt.

Abwehrhaltung: Anstatt auf Anna einzugehen versucht Ben sich zu rechtfertigen, was das Gespräch eskalieren lässt.

Wie es besser geht – ein Ansatz für gelungene Kommunikation

Kommunikation ist der Schlüssel zu gegenseitigem Verständnis– und kann mit einfachen Mitteln verbessert werden. Ein hilfreicher Ansatz ist die systemische Perspektive, bei der beide Partner die Dynamik ihrer Gespräche reflektieren und bewusst verändern.

Ein alternativer Dialog:

Anna: „Ben, ich merke, dass ich mich oft überfordert fühle. Können wir schauen, wie wir die Aufgaben besser aufteilen?“ Ben: „Das tut mir leid, dass du dich so fühlst. Was wäre dir im Moment am wichtigsten?“ Anna: „Es wäre schon eine Entlastung, wenn du den Einkauf öfter übernimmst. “Ben: „Das kann ich übernehmen. Lass uns heute Abend gemeinsam einen Plan machen.“

Was hier anders läuft:

Anna spricht von ihren Gefühlen und vermeidet Generalisierungen.

Ben geht auf Annas Gefühle ein und zeigt Bereitschaft, das Problem gemeinsam zu lösen.

Beide entwickeln konkrete Schritte zur Verbesserung, statt in Vorwürfen zu verharren.

In Partnerschaften ist Kommunikation das Fundament für Verständnis, Nähe und Konfliktlösung. Kommunikation auf Augenhöhe ermöglicht es beiden Partnern sich gleichwertig auszudrücken, zuzuhören und zu verstehen. Doch was bedeutet es, wirklich auf Augenhöhe zu kommunizieren? Wie können Paare ihre Kommunikation so gestalten, dass beide sich gehört und respektiert fühlen?

Ich lade Sie beide zu einer kurzen Übung ein:

Übung: "Ich-Botschaft" – Klarheit und Respekt in der Kommunikation

Ziel der Übung: Die eigene Perspektive klar und respektvoll äußern, ohne den Partner zu verletzen oder Vorwürfe zu machen.

 1. Vorbereitung:

Beide Partner setzen sich in Ruhe zusammen, ohne Störungen.

 2. Interaktion:

Ein Partner spricht über ein Anliegen oder eine Situation, die ihn oder sie betrifft, dabei wird die „Ich-Botschaft“ verwendet. Diese lautet: „Ich fühle mich [Gefühl], wenn [Sachverhalt] passiert.“ Beispiel: „Ich fühle mich traurig, wenn du beim Gespräch auf dein Handy schaust.“

 3. Zuhören:

Der andere Partner hört aufmerksam zu, ohne zu unterbrechen. Es geht darum sich in den anderen hineinzuversetzen, ohne sofort Lösungen oder Gegenargumente anzubringen.

 4. Reflexion:

Nachdem beide Partner ihre Aussagen gemacht haben reflektieren sie gemeinsam, wie sie sich dabei gefühlt haben. Welche Emotionen kamen auf? Was war für beide wichtig in der Kommunikation?

Diese Übung fördert ein respektvolles Miteinander und stärkt das Verständnis für die Bedürfnisse und Gefühle des Partners.

Wissenschaftlicher Hintergrund: Kommunikation in Partnerschaften aus systemischer Perspektive

In Partnerschaften spielt die Kommunikation eine Schlüsselrolle, sowohl für das tägliche Miteinander als auch für die Lösung von Konflikten. Aus systemischer Sicht betrachtet man die Beziehung als ein dynamisches System, in dem jedes Verhalten und jede Äußerung Auswirkungen auf den anderen Partner hat. Kommunikation wird nicht nur als Austausch von Informationen verstanden, sondern als ein Prozess, der die Beziehung zwischen den Partnern prägt und formt.

Ein zentrales Konzept in der systemischen Kommunikation ist das Konstrukt der Mehrdimensionalität der Kommunikation (Bertalanffy, 1968) das besagt, dass jede Kommunikation mehrdimensional ist. Sie umfasst nicht nur den inhaltlichen Aspekt (Was wird gesagt?), sondern auch die Beziehungsebene (Wie wird etwas gesagt?) und die emotionale Dimension (Welche Gefühle werden dabei transportiert?). In der Partnerschaft bedeutet dies, dass Missverständnisse häufig nicht durch den Inhalt der Worte entstehen, sondern durch unterschiedliche Wahrnehmungen, emotionale Reaktionen und unausgesprochene Erwartungen der Partner.

Ein weiteres bedeutendes Modell ist das Modell der doppelten Bindung von Watzlawick (1967) das darauf hinweist, dass in der Kommunikation oft widersprüchliche Botschaften gesendet werden. Wenn ein Partner beispielsweise „Ich fühle mich allein gelassen“ sagt, aber gleichzeitig auch abwehrt oder sich rechtfertigt, kann der andere Partner Schwierigkeiten haben, die wirkliche Bedeutung und die zugrunde liegenden Gefühle zu verstehen. Diese widersprüchlichen Botschaften erschweren eine lösungsorientierte Kommunikation und verstärken das Missverständnis.

Die Theorie der Ich-Botschaften (Rosenberg, 2003) ist ein weiteres hilfreiches Konzept in der partnerschaftlichen Kommunikation. Diese Methode fördert eine Kommunikation, die weniger anklagend ist und dafür auf den eigenen Gefühlen und Bedürfnissen basiert. Anstatt zu sagen: „Du hilfst nie“, was den anderen Partner in eine defensive Haltung versetzen kann, wird bei einer Ich-Botschaft die eigene Wahrnehmung betont: „Ich fühle mich überfordert, wenn ich alles alleine erledigen muss.“ Auf diese Weise wird der Raum für Verständnis und Empathie geöffnet und der andere Partner wird weniger in eine Verteidigungsposition gedrängt.

In der Forschung zu Konfliktlösungsstrategien in Partnerschaften (Gottman, 1994) wurde gezeigt, dass die Art der Kommunikation einen großen Einfluss auf die Qualität der Beziehung hat. Paare, die in der Lage sind, ihre Konflikte durch respektvolle Kommunikation zu lösen ohne in Schuldzuweisungen und Abwehrhaltungen zu verfallen, berichten von höheren Zufriedenheitswerten und einer stabileren Partnerschaft. Der Schlüssel liegt darin, nicht nur die eigenen Bedürfnisse auszudrücken, sondern auch dem Partner zuzuhören und sich in dessen Perspektive einzufühlen. Diese Art der Kommunikation fördert das gegenseitige Verständnis und reduziert das Risiko, dass kleine Missverständnisse sich zu größeren Konflikten auswachsen.

Ein systemischer Ansatz zur Kommunikation in Partnerschaften bezieht sich daher auf die Berücksichtigung der gegenseitigen Wahrnehmung und die Bereitschaft, die Dynamiken der Kommunikation zu reflektieren. Er ermutigt dazu Verhaltensmuster, die zu Konflikten führen zu erkennen und gemeinsam neue respektvollere Kommunikationsweisen zu entwickeln.

Fazit: Kommunikation als Schlüssel zu einer erfüllten Partnerschaft

Kommunikation auf Augenhöhe ist der Grundpfeiler jeder erfolgreichen Partnerschaft. Sie ermöglicht es sich respektvoll und gleichwertig auszutauschen, Missverständnisse zu vermeiden und Konflikte konstruktiv zu lösen. Die „Ich-Botschaft“ ist ein einfaches, aber wirkungsvolles Werkzeug, um die eigene Perspektive klar und respektvoll zu äußern, ohne den Partner zu verletzen oder Vorwürfe zu machen. Durch bewusstes Zuhören und das Einfühlen in den anderen wird ein tieferes Verständnis für die Bedürfnisse und Gefühle des Partners geschaffen.

Im Seminar „Partnerschaft gestalten: Kommunikation auf Augenhöhe“ geht es nicht nur darum Kommunikationsstrategien zu erlernen, sondern auch darum, die eigene Wahrnehmung und das Verständnis für die Beziehung zu vertiefen. Indem Paare lernen ihre Bedürfnisse klar zu artikulieren und gleichzeitig aufmerksam zuzuhören schaffen sie die Grundlage für eine partnerschaftliche Kommunikation, die sowohl den individuellen als auch den gemeinsamen Raum in der Beziehung stärkt. Es ist ein kontinuierlicher Prozess, der auf gegenseitigem Respekt und Empathie basiert – und der den Weg für eine tiefere und erfüllende Partnerschaft ebnet.

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