Selbstwert stärken: Ein systemischer Weg zu einem positiven Selbstwert

Melanie Mantel
11 JAN 2025
5 Minuten Lesezeit
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Selbstwert stärken: Ein systemischer Weg zu einem positiven Selbstwert

Der Weg zu einem positiven Selbstwert ist mehr als nur ein individuelles Vorhaben. Oft ist er das Resultat aus den Erfahrungen und Beziehungen, die wir über Jahre hinweg sammeln. Der systemische Ansatz geht davon aus, dass unser Selbstwert nicht isoliert betrachtet werden kann – er ist immer in Verbindung mit den Menschen und Kontexten, die uns umgeben.

Was bedeutet es, einen positiven Selbstwert zu haben?

Ein positiver Selbstwert ist die Fähigkeit sich selbst anzunehmen, zu schätzen und in seiner vollen Stärke zu leben. Es geht darum sich wertvoll zu fühlen – unabhängig von äußeren Erfolgen oder der Bestätigung durch andere. Ein gesunder Selbstwert basiert auf der Erkenntnis, dass wir wertvoll sind so wie wir sind und dass wir die Fähigkeit besitzen, unser Leben aktiv und positiv zu gestalten.

Doch wie entsteht ein positiver Selbstwert?

Oft spielen dabei innere Dialoge und die Wahrnehmung unserer eigenen Stärken eine zentrale Rolle. Diese können uns stärken oder auch blockieren. Ein systemischer Blick auf die verschiedenen Anteile in uns selbst hilft, den inneren Dialog zu klären und positive Veränderungen zu unterstützen.

 Selbstzweifel:

Anna fühlt sich oft von ihrer Umgebung missverstanden und unsicher in ihren Entscheidungen. Ihr innerer „Kritiker“ meldet sich regelmäßig, wenn sie etwas Neues versucht und sät Zweifel an ihren Fähigkeiten. Bei jeder Herausforderung hört sie nur den inneren Dialog, der sie auf ihre Fehler hinweist und ihr das Gefühl gibt, nicht genug zu sein. Dieses ständige Selbstzweifeln führt dazu, dass Anna oft zögert sich auf neue Projekte einzulassen oder Verantwortung zu übernehmen da sie glaubt, den Erwartungen nicht gerecht werden zu können. Diese negativen inneren Stimmen blockieren ihre persönliche Entwicklung und verstärken das Gefühl der Unzulänglichkeit.

Gesundes Selbstwertgefühl:

Max erkennt in der Reflexion seiner inneren Anteile, dass sein „Macher“ ihm hilft, neue Herausforderungen anzunehmen und proaktiv Lösungen zu finden. Doch er stellt auch fest, dass der „Kritiker“ in stressigen Zeiten oft zu viel Raum einnimmt und ihm den Blick auf seine Erfolge verstellt. Max nutzt die Übung, um mehr auf die Stimme des „Machers“ zu hören und seine positiven Ressourcen aktiv zu stärken. Er beginnt sich bewusst auf seine Stärken zu konzentrieren wie seine Fähigkeit zur Problemlösung und seine positive Einstellung. Durch diese bewusste Integration der positiven Anteile gewinnt Max mehr Vertrauen in seine Fähigkeiten, nimmt Risiken an und entwickelt ein starkes positives Selbstwertgefühl. Max hat gelernt, dass er sich selbst annehmen und seine Stärken in den Mittelpunkt stellen kann – und das gibt ihm den Mut, sich neuen Herausforderungen zu stellen.

Ich lade Sie zu einer kurzen Übung ein!

Übung: Das „Innere Team“ – Deine verschiedenen Anteile im Blick

Warum diese Übung wichtig ist: Jeder von uns hat verschiedene innere Anteile, die in unterschiedlichen Situationen aktiv werden. Einige dieser Anteile stärken unser Selbstwertgefühl, andere können es sabotieren. Diese Übung hilft dabei, die inneren Dialoge zu verstehen und die positiven Anteile zu aktivieren.

1. Reflexion der inneren Anteile:

Denken Sie darüber nach, welche inneren Stimmen oder Anteile Sie in sich haben. Gibt es den „Kritiker“, der immer Zweifel sät? Oder den „Fürsorger“, der Sie schützt? Vielleicht gibt es auch den „Macher“, der immer voranschreitet?

 2. Visualisierung:

Stellen Sie sich vor, diese Anteile sprechen miteinander. Was würde der „Kritiker“ über Ihren Selbstwert sagen? Was der „Fürsorger“? Und welche Botschaft geben Ihnen der „Macher“?

3. Dialog und Integration:

Überlegen Sie, welche dieser Anteile Ihnen in Ihrem Leben helfen Ihren Selbstwert zu stärken und welche vielleicht eher Blockaden schaffen. Wie können Sie die positiven Anteile mehr in Ihr Leben integrieren, um Ihren Selbstwert zu fördern?

 Ein wissenschaftlicher Blick auf den Selbstwert

Die Forschung zeigt, dass der Selbstwert eine zentrale Rolle für unser psychisches Wohlbefinden spielt. Laut dem Psychologen und Selbstwert-Forscher Nathaniel Branden ist Selbstwert nicht nur das Gefühl wertvoll zu sein, sondern auch das Vertrauen in die eigene Fähigkeit, Herausforderungen des Lebens zu bewältigen. Branden definiert Selbstwert als eine Kombination aus Selbstachtung („Ich bin wertvoll“) und Selbstwirksamkeit („Ich kann handeln und Einfluss nehmen“).

Ein zentraler Aspekt des Selbstwertes ist seine Entstehung in sozialen Kontexten. Die Bindungstheorie, entwickelt von John Bowlby hebt hervor, dass frühe Erfahrungen mit Bezugspersonen einen prägenden Einfluss auf unser Selbstbild haben. Sichere Bindungen fördern das Gefühl von Wert und Akzeptanz, während unsichere oder gestörte Bindungen oft negative Selbstwahrnehmungen hinterlassen.

Im systemischen Ansatz wird dies erweitert: Der Selbstwert wird nicht isoliert betrachtet, sondern als Ergebnis eines dynamischen Wechselspiels zwischen dem Individuum und seinem sozialen Umfeld. Jeder Mensch agiert in einem Netz von Beziehungen, in dem Erwartungen, Glaubenssätze und Rollenverteilungen den Selbstwert beeinflussen können. Dies erklärt, warum Veränderungsprozesse oft nicht nur auf persönlicher, sondern auch auf systemischer Ebene wirksam werden müssen.

Die Rolle innerer Anteile

Ein weiteres wissenschaftlich fundiertes Konzept ist die Theorie des „Inneren Teams“ von Friedemann Schulz von Thun. Diese besagt, dass wir alle verschiedene innere Stimmen oder Anteile in uns tragen, die in bestimmten Situationen unterschiedlich stark aktiv sind. Der „Innere Kritiker“ kann beispielsweise in Stresssituationen dominieren, während der „Macher“ uns in Phasen des Erfolgs unterstützt. Die Arbeit mit diesen Anteilen ermöglicht es, negative Glaubenssätze zu hinterfragen und stärkende Ressourcen zu aktivieren. Dies ist eine wichtige Grundlage für den Aufbau eines gesunden Selbstwertgefühls.

Ein praktischer Ansatz für positive Veränderung

Die Kombination aus wissenschaftlicher Grundlage und praxisnahen Übungen – wie der Reflexion des Inneren Teams – macht den systemischen Ansatz besonders effektiv. Durch das Erkennen von Mustern und das gezielte Fördern positiver Anteile können wir unsere Selbstwahrnehmung aktiv gestalten und nachhaltig stärken.

Fazit: Ein systemischer Ansatz für Ihren Selbstwert

Der Weg zu einem positiven Selbstwert ist ein fortlaufender Prozess. Es geht nicht nur darum sich selbst zu schätzen sondern auch darum, die verschiedenen Einflüsse, die uns prägen zu erkennen und bewusst zu gestalten. Der systemische Blick auf die verschiedenen inneren Anteile hilft dabei Blockaden zu erkennen und positive Veränderungen im Selbstwertprozess zu unterstützen.

Die Übung „Das Innere Team“ ist ein praktisches Werkzeug, um diese inneren Anteile zu reflektieren und gezielt die positiven Ressourcen zu stärken. Wenn wir unsere positiven Anteile erkennen und mehr in unser Leben integrieren, können wir unseren Selbstwert nachhaltig stärken und unseren Weg zu einem erfüllten Leben gestalten.

Das Seminar „Selbstwert stärken“ bietet Ihnen die Möglichkeit, noch tiefer in diese Arbeit einzutauchen und Ihr Selbstbild aus einer systemischen Perspektive zu betrachten. Es hilft Ihnen Ihre eigenen inneren Dialoge zu verstehen, Blockaden zu erkennen und neue stärkende Perspektiven zu entwickeln. Denn ein positiver Selbstwert ist nicht nur ein individuelles Vorhaben, sondern auch das Ergebnis unserer Beziehungen und Erfahrungen – und diesen Prozess können wir aktiv gestalten.

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