Ressourcen erkennen, Ziele erreichen – Systemische Supervision

Melanie Mantel
11 JAN 2025
5 Minuten Lesezeit
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Ressourcen erkennen und Ziele erreichen – Systemische Supervision für Teams

Ein Team ist mehr als die Summe seiner Teile – doch was passiert, wenn das Zusammenspiel der einzelnen Teammitglieder aus dem Gleichgewicht gerät? Hoher Druck, Missverständnisse oder unklare Rollenverteilungen können schnell zu Konflikten oder Ineffizienz führen. Genau hier setzt systemische Teamsupervision an: Sie hilft Teams ihre Ressourcen zu erkennen, Herausforderungen zu reflektieren und gemeinsam Lösungen zu entwickeln.

Wenn Ressourcen verborgen bleiben

Ein Entwicklungsteam eines IT-Unternehmens steht vor einem großen Software-Launch. Die Deadlines sind eng und die Kommunikation im Team wird immer angespannter. Aufgaben werden mehrfach bearbeitet oder bleiben unerledigt da unklar ist, wer wofür verantwortlich ist. Frust macht sich breit.

Die Teamleitung versucht das Problem durch mehr Kontrolle zu lösen: tägliche Status-Updates und eine verstärkte Überwachung der Arbeitsfortschritte. Doch statt Klarheit zu schaffen erhöht dies den Druck und die Unzufriedenheit im Team. Schließlich äußern die ersten Mitarbeitenden, dass sie sich nicht gehört und überlastet fühlen.

Warum scheitert diese Situation?
  • Fehlender Dialog: Es wird nicht erfragt, wo die eigentlichen Herausforderungen liegen.
  • Unentdeckte Stärken: Die individuellen Fähigkeiten der Teammitglieder werden nicht genutzt.
  • Einseitige Lösungsansätze: Maßnahmen werden „von oben“ verordnet, ohne das Team einzubinden.

Ressourcen gemeinsam aktivieren

In einer systemischen Teamsupervision wird das gleiche Team eingeladen, sich gemeinsam mit den bestehenden Herausforderungen auseinanderzusetzen. Die Sitzung beginnt mit der Frage: „Was braucht ihr, damit ihr euch in eurer Arbeit sicher und unterstützt fühlt?“

Die Teammitglieder identifizieren schnell zwei Hauptprobleme:

  1. Unklare Verantwortlichkeiten: Aufgaben sind nicht eindeutig zugeordnet.
  2. Fehlender Austausch: Es gibt kaum Zeit für konstruktive Gespräche über den Projektfortschritt.

Im nächsten Schritt werden die Ressourcen des Teams sichtbar gemacht:

  • Eine Mitarbeiterin erweist sich als besonders gut darin, Prozesse zu strukturieren.
  • Ein anderer Kollege hat ein Talent für technische Problemlösungen und ist bei den anderen als „ruhender Pol“ geschätzt.
  • Ein drittes Teammitglied ist kommunikativ stark und übernimmt gerne die Moderation von Meetings.

Basierend auf diesen Stärken wird gemeinsam ein Maßnahmenplan erarbeitet:

  • Klare Aufgabenverteilung: Jede Person weiß, wofür sie verantwortlich ist.
  • Regelmäßige Abstimmung: Wöchentliche Check-ins schaffen Raum für Austausch und Feedback.
  • Stressmanagement: Das Team führt eine neue Regel ein: Am Ende jeder Woche werden Erfolge und Herausforderungen gemeinsam reflektiert.

Nach einigen Wochen zeigt sich eine deutliche Verbesserung. Die Teammitglieder fühlen sich entlastet, die Kommunikation läuft flüssiger und die Projektziele werden erreicht – ohne Überforderung.

Ich lade Sie und Ihr Team zu einer kleinen Übung ein:

Übung: Ressourcen-Mapping im Team

1. Zeit:

Planen Sie 20-30 Minuten ein und schaffen Sie einen ungestörten Raum für die Übung.

2. Ressourcen sammeln:

Jedes Teammitglied schreibt auf, welche Stärken und Fähigkeiten es ins Team einbringt. Beispiele: „Ich bin gut im Organisieren“, „Ich behalte auch in stressigen Situationen den Überblick“.

3. Teilen und reflektieren:

Alle teilen ihre Ressourcen mit dem Team. Gemeinsam wird besprochen, wie diese Stärken für die aktuellen Herausforderungen genutzt werden können.

4. Maßnahmen ableiten:

Entwickeln Sie konkrete Schritte, um die Ressourcen gezielt einzusetzen.

Wissenschaftlicher Hintergrund: Ressourcen erkennen und Ziele erreichen – Systemische Supervision für Teams

Systemische Supervision basiert auf einem integrativen Ansatz, der die Beziehungen und Interaktionen innerhalb eines Systems – in diesem Fall eines Teams – berücksichtigt. Sie geht davon aus, dass Teams nicht isoliert agieren, sondern dass das Verhalten und die Dynamiken der einzelnen Mitglieder das gesamte Team beeinflussen. Die Idee ist, dass jedes Teammitglied sowohl als Individuum als auch als Teil eines größeren Ganzen wahrgenommen wird, wodurch ein tieferes Verständnis für die Teamprozesse entwickelt werden kann (Schreyögg & Stöckli, 2013).

Im Rahmen der systemischen Supervision wird das Augenmerk auf die Ressourcen der Teammitglieder gerichtet. Dabei geht es nicht nur darum Probleme zu identifizieren, sondern auch die Stärken und Potenziale zu erkennen, die im Team vorhanden sind. Dies kann durch spezifische Methoden wie das „Ressourcen-Mapping“ oder die Identifikation von Schlüsselrollen innerhalb des Teams geschehen. Die systemische Perspektive fördert eine gemeinsame Reflexion und die Entwicklung von Lösungen aus der Sicht des gesamten Teams, anstatt von einer top-down Perspektive (von oben nach unten).

Ein zentraler Aspekt der systemischen Supervision ist die Förderung der Kommunikation und des Dialogs im Team. Laut der Systemtheorie von Niklas Luhmann (1995) kann Kommunikation als das zentrale Element angesehen werden, das soziale Systeme zusammenhält und ihre Dynamiken steuert. In einem Team führt eine transparente und wertschätzende Kommunikation zu mehr Vertrauen und Zusammenarbeit, was wiederum die Teamleistung verbessert.

Das Ziel der systemischen Supervision ist es eine langfristig funktionierende Zusammenarbeit zu fördern, bei der sowohl die individuellen Bedürfnisse als auch die Teamziele berücksichtigt werden. Supervision ermöglicht es den Teammitgliedern ihre Rollen klar zu definieren, Konflikte konstruktiv zu lösen und gemeinsam an der Erreichung der Teamziele zu arbeiten (Varga von Kibéd, 2010).

Fazit: Gemeinsam stark durch Supervision

Systemische Teamsupervision schafft einen Raum, in dem nicht nur Herausforderungen erkannt, sondern auch Potenziale freigesetzt werden. Sie ermöglicht es Teams effektiv zu kommunizieren, Konflikte konstruktiv zu lösen und eine gesunde Zusammenarbeit aufzubauen. Das Ziel: Ein starkes Team, das gemeinsam Ziele erreicht – und dabei auch den Blick für individuelle Stärken behält.

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