Kommunikation ist mehr als nur der Austausch von Informationen – sie ist der Schlüssel, um Verständnis und eine tiefere Verbindung zu anderen Menschen aufzubauen. In der systemischen Kommunikation betrachten wir nicht nur den Austausch von Worten, sondern auch die dahinterstehenden Bedürfnisse, Werte und Perspektiven. Es geht darum, in der Kommunikation den anderen wirklich zu verstehen und gleichzeitig authentisch die eigenen Bedürfnisse und Anliegen zu äußern.
Sofia und Peter arbeiten in einem Projektteam zusammen. Sofia spricht zu Peter und sagt: „Ich habe die Präsentation fertig, aber ich brauche noch die letzten Zahlen von dir.“ Peter hört dies nur als sachliche Information (Sachohr) und denkt, dass Sofia keine weiteren Ansprüche an ihn stellt. Was er jedoch übersieht ist, dass Sofia eigentlich ein wenig frustriert ist, weil sie ihre Arbeit ohne die Zahlen nicht finalisieren kann. Sie möchte von Peter hören dass er versteht, dass es jetzt wichtig ist, die Zahlen schnell zuliefern (Beziehungsohr). In seiner Antwort ignoriert Peter diese unausgesprochenen Bedürfnisse und geht direkt zu den Zahlen über. Das führt zu einem Missverständnis: Sofia fühlt sich nicht gehört und Peter ist verwirrt, warum Sofia nachher noch einmal nachhakt.
In einem ähnlichen Gespräch, aber dieses Mal mit der systemischen Kommunikation im Hinterkopf, verwendet Sofia das "4-Ohren-Modell" aktiv. Sie spricht zu Peter und sagt: „Ich habe die Präsentation fast fertig, aber ohne die Zahlen von dir komme ich nicht weiter. Es wäre wirklich hilfreich, wenn du sie mir schnell schicken könntest.“ Peter hört nicht nur die sachliche Nachricht (Sachohr), sondern erkennt auch die Beziehungsebene: Sofia braucht Unterstützung und die Situation ist etwas stressig für sie (Beziehungsohr). Er hört außerdem den Appell, dass eine schnelle Reaktion von ihm erwartet wird (Appellohr) und versteht auch, dass Sofia in dieser Situation ein wenig besorgt ist, weil sie unter Druck steht (Selbstoffenbarungs-Ohr). Dadurch reagiert Peter schnell und sendet die Zahlen ohne weitere Verzögerung. Sofia fühlt sich verstanden und unterstützt und die Zusammenarbeit läuft reibungslos.
Ich lade Sie zu einer kurzen Übung ein!
Wählen Sie eine kürzliche Kommunikation aus und überlegen Sie, was konkret gesagt wurde. Was war die Nachricht?
Gehen Sie die Nachricht nun mit den vier Ohren durch:
Sachohr: Was wird tatsächlich gesagt? Welche Fakten enthält die Nachricht?
Beziehungsohr: Wie ist die Beziehung zwischen den Gesprächspartnern? Was könnte die Nachricht über das Verhältnis zueinander aussagen?
Appellohr: Was will der Sender erreichen? Welche Handlungen oder Reaktionen fordert er von dir?
Selbstoffenbarungs-Ohr: Was sagt die Nachricht über den Sender aus? Welche eigenen Gefühle oder Bedürfnisse zeigt der Sender?
Überlegen Sie, welche Ohren Sie beim Gespräch besonders genutzt haben. Welche Aspekte der Kommunikation haben Sie eventuell nicht berücksichtigt? Wie verändert sich Ihr Verständnis, wenn Sie alle vier Ohren gleichzeitig anwenden?
Die systemische Kommunikation basiert auf den Arbeiten von Schulz von Thun, der mit seinem „4-Ohren-Modell“ die Vielschichtigkeit von Botschaften verdeutlicht hat. Jede Nachricht enthält demnach vier Ebenen: den Sachinhalt, die Selbstoffenbarung, die Beziehung und den Appell. Dieses Modell zeigt wie Missverständnisse entstehen können, wenn Sender und Empfänger auf unterschiedlichen Ebenen kommunizieren.
Zusätzlich wird in der systemischen Theorie (u. a. von Niklas Luhmann) betont, dass Kommunikation immer in einem sozialen Kontext stattfindet. Die Wechselwirkungen zwischen Menschen sind von den Beziehungen und Dynamiken innerhalb eines Systems geprägt. Es geht nicht nur darum was gesagt wird sondern auch darum, wie die Botschaft durch Werte, Erwartungen und Perspektiven innerhalb des Systems beeinflusst wird.
Empathisches Zuhören und die Fähigkeit auf allen Kommunikationsebenen zu agieren fördern nicht nur das gegenseitige Verständnis, sondern auch die Zusammenarbeit in Gruppen. Forschungen zeigen, dass dies Konflikte reduziert und die Effektivität von Teams steigert (z. B. Studien zu emotionaler Intelligenz in der Kommunikation).
Systemische Kommunikation geht über die bloße Wortwahl hinaus. Sie fördert das Verständnis für die verschiedenen Ebenen der Kommunikation und hilft dabei, eine tiefere Verbindung zu anderen Menschen herzustellen. Sie unterstützt Konflikte konstruktiv zu lösen und gemeinsam zu wachsen. Sie ist eine wertvolle Fähigkeit für alle Bereiche des Lebens – sei es in der Partnerschaft, im Team oder im beruflichen Umfeld. Die Übung „Die 4 Ohren der Kommunikation“ ist eine wirksame Methode um die Kommunikation zu erweitern, empathischer zu gestalten und die Wirkung der eigenen Worte zu verstärken. Im Workshop „Verstehen und Verbinden – Systemische Kommunikation für mehr Wirkung" lernen Sie die unterschiedlichen Perspektiven und Bedürfnisse in der Kommunikation zu berücksichtigen und Ihre eigenen Anliegen klar und authentisch auszudrücken.